Ausgangslage

Seit einigen Jahren gibt es im In- und Ausland teilweise heftige Diskussionen darüber, welche Informationen in Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden sollen. Dies hat auch mit Veränderungen auf dem Medienmarkt zu tun. So kamen insbesondere infolge von politisch stark polarisierten Debatten der vergangenen Jahre wie z.B. der Zuwanderungsdiskussion oder der Covid-19-Pandemie verstärkt Bücher mit verschwörungstheoretischen und rechtsextremen Inhalten oder Falsch- bzw. Desinformation auf den Buchmarkt. Dabei ist auch in der breiteren Öffentlichkeit nicht unumstritten, wie Bibliotheken mit diesen Entwicklungen umgehen sollen. Duldet das Gebot der Meinungs- und Informationsfreiheit keinerlei wie auch immer begründete Einschränkung, oder darf auf den Erwerb bestimmter Medien verzichtet werden – und wenn ja nach welchen Kriterien?

Policy

Die ZHB Luzern hat daher in einem engen Austausch mit den Benutzenden und angelehnt an den Ethikkodex des Berufsverbands Bibliosuisse eine Policy erarbeitet, welche offenlegt, wie die Mitarbeitenden in ihrer bibliothekarischen Arbeit mit diesen Herausforderungen umgehen. Dies betrifft nicht nur Grundsätze des Medienerwerbs (vorwiegend im Sachbuch- sowie im Wissenschaftsbereich), sondern auch weitere Arbeitsfelder wie die Erschliessung von Medien, die Bestandspflege und die Vermittlungsaktivitäten der ZHB. 

Ziel dieser Policy ist, den Austausch über gesellschaftlich umstrittene Medien innerhalb unserer Institution und besonders auch mit unseren Benutzenden zu verstetigen. Die Grundsätze der Policy stellen dabei keine starren Massstäbe für den Aus- oder Einschluss bestimmter Medien in unserem Bestand dar. Vielmehr handelt es sich um Leitlinien, welche es uns erlauben, im Einzelfall begründete Entscheidungen zu treffen.