Veranstaltungen

Ein Fest für Leserinnen und Leser

  • 24.03.2018 13:00 Uhr

Ende März dreht sich in Luzern fast alles um die Literatur: Literaturfest, Buchmarkt, Salon Swips ... und die ZHB ist natürlich mit von der Partie.

Gertrud Leutenegger

Beat Vogt

Schriftsteller André Winter

Schweiz, Luzern, Portrait von Schriftsteller André Winter. (c) Fabian Biasio

Margrit Schriber. Bild: Yvonne Boehler

André Winter

Nach dem Vorspiel in der Stadtbibliothek am Donnerstag, den 22.3.2018 beginnen die Festtage der Literatur am Freitag mit dem Buchmarkt in der Kornschütte und versammeln bis zum Sonntag dort, im Maskenliebhabersaal und an anderen Orten grossartige Autorinnen und Autoren, schöne Bücher und begeisterte Leserinnen und Leser.

Einer lieb gewordenen Tradition folgend präsentiert die ZHB im Rahmen des Literaturfestes Autorinnen und Autoren, die sich in der Zentralschweizer Literaturlandschaft und weit darüber hinaus einen Namen gemacht haben. Aber weil wir nicht nur an bewährten Traditionen hängen, sondern ebenso neugierig auf Neues sind, findet dieses Programm erstmals am Samstag in der Kornschütte von 13:00 bis 17:00 statt.

Literatur auf dem Sofa mit Margrit Schriber, Beat Vogt, Gertrud Leutenegger, André David Winter. Moderation Ina Brueckel, ZHB.
 

Margrit Schriber, Jahrgang 1939, wurde als Tochter eines Wunderheilers in Luzern geboren und wuchs in Brunnen und Küssnacht am Rigi auf. Als Bankangestellte, Buchhalterin, Mannequin und Fotomodel machte sie Umwege zu dem von Anfang an gesetzten Ziel: Schriftstellerin zu werden. Seit 1977 hat Margrit Schriber mehrere Förderpreise, Werkbeiträge und Auszeichnungen erhalten, darunter den Aargauer Literaturpreis für ihr Gesamtwerk, das zahlreiche Romane, Erzählungen und Texte in Anthologien umfasst. Sie lebt in Zofingen und in der französischen Dordogne und ist Mitglied bei Autorinnen und Autoren der Schweiz, im Deutsch-Schweizer PEN und bei Pro Litteris Schweiz.

Margrit Schriber liest aus ihrem neuesten Roman «Glänzende Aussichten»
Seit dem Tod ihres Vaters betreibt Pia die Tankstelle außerhalb des Dorfes allein. Doch zu Beginn der 1980er Jahre sind zunehmend Großtankstellen mit Do-it-yourself modern. Pia soll, das raten der Benzinlieferant und Pias boshafter Exfreund Luc, die Tankstelle verkaufen. Aber Pia will nicht; sie beschließt die Flucht nach vorn, kauft eine riesige Autowaschstraße, die ultramodern ist und neueste Technik bietet. Die Einweihung hält eine besondere Überraschung bereit, die alles auf den Kopf stellt. Mit ihrem eigenständigen, bildstarken Erzählen und ihren originellen Heldinnen gehört Margrit Schriber zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Schweiz.

 

Beat Vogt, Jahrgang 1972, wuchs in Luzern auf. Er machte seine Ausbildung an der «École de mimodrame Marcel Marceau» in Paris und bewegte sich danach einige Jahre in der freien Theaterszene als Mime, Zauberkünstler und Schauspieler. Später wechselte er das Metier und fasste im Medienbereich Fuss. Aktuell arbeitet er bei Schweizer Radio SRF als Redaktor, Moderator und Produzent. Sein 2017 erschienenes erstes Romanprojekt «Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld» wurde 2016 mit einem Förderpreis der Zentralschweizer Literaturförderung ausgezeichnet.

Beat Vogt liest aus «Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld»
Gerade haben Chris und Maya den letzten Klängen ihrer Lieblingsband zugehört, haben sich gefreut über den gemeinsamen Konzertabend, an dem sie sich so nahe fühlten wie seit Jahren nicht mehr. Doch dann ist da plötzlich dieser junge Mann, seine irre Provokation und Chris, der nicht mehr weiß, was er tut.
Jahre später legt Eva ihrem Professor das Thema der Masterarbeit vor. Sie will die Schweizer Justiz durchleuchten und versteckte Diskriminierung aufdecken. Noch ahnt die Studentin nicht, dass die Nachforschungen ihre eigene Wahrnehmung, schließlich ihr ganzes Leben infrage stellen. Raffiniert verknüpft Beat Vogt in seinem ersten Roman Familien-und Liebesgeschichte mit existenziellen Fragen zu Verantwortung, Lüge und Schuld. Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld ist vielschichtig und abgründig, auf mehreren Zeitebenen und aus der Sicht von vier Figuren erzählt – und in einem Bogen, dessen Spannung nie nachlässt.

 

Gertrud Leutenegger, Jahrgang 1948, wuchs in Schwyz auf. In Zürich studierte sie an der Schauspielakademie Regie und arbeitete später als Regieassistentin. Nach längeren Aufenthalten in der italienischsprachigen und in der französischsprachigen Schweiz sowie im Ausland (z.B. in Japan), lebt sie heute in Zürich. Als Autorin weist sie ein vielseitiges Œuvre aus, das aus Prosatexten und Lyrik besteht und mehrfach, auch international, ausgezeichnet wurde.

Gertrud Leutenegger liest aus «Das Klavier auf dem Schillerstein»
Der schmale Band versammelt elf Texte aus den Jahren 1989 bis 2016, die auf Erinnerungssplittern, alltäglichen Begebenheiten und Erfahrungen gründen. Bereits die Titelgeschichte «Das Klavier auf dem Schillerstein» signalisiert, was alles geschehen kann, wenn die Kräfte der Phantasie zu wirken beginnen. Dies umso mehr, als Gertrud Leutenegger im vorliegenden Band aus kleinen Alltagssituationen heraus die Ahnenreihe ihrer literarischen und künstlerischen Anregungsfiguren erstehen läßt. Der Besuch bei einem alten italienischen Augenarzt führt zu einer Begegnung mit Kleists «Marquise von O...»; aus der stockdunklen Nacht eines Tessiner Tals bei Stromausfall entwickelt sich eine Unterhaltung mit Novalis; die Erinnerung an die kindliche Faszination für die Verpackung von Zwieback Hug führt zu Viscontis legendärer «Gattopardo»-Verfilmung. Dazwischen stehen Huldigungen an Dinge, Erlebnisse und Stimmungen, deren scheinbare Alltäglichkeit in Wahrheit Residuen der Poesie sind.

 

André Winter, Jahrgang 1962, verbrachte seine frühe Kindheit in Berlin. In seiner Jugendzeit arbeitete er auf Bauernhöfen in der Schweiz und in Italien. Eine Ausbildung in der Psychiatrie schloss sich an, gefolgt von Tätigkeiten in Notschlafstellen und in einem rumänischen Kinderheim. André David Winter ist heute als Kursleiter und Erwachsenenbildner im Gesundheitswesen tätig. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Emmen im Kanton Luzern. Dem 2008 erschienenen ersten Roman folgten vier weitere Romane.

André Winter liest aus seinem neuesten Roman: «Immer heim»
Ein Leben lang hat Joseph Bitzi auf dem Hof der Mugglis gearbeitet, zuerst beim Vater Muggli, danach beim Sohn. Eine Wahl hatte er nie. Auch nicht, als der Jungbauer beschloss, ihn ins Heim zu bringen. Doch Bitzi hält nichts von einem ruhigen Lebensabend. Er hat eine Vision und einen Plan: Das Heim soll ein Daheim werden für die Menschen, die hier leben, hier soll ein Ort entstehen, der den Bewohnerinnen und Bewohnern vertraut ist. Bitzi hat gelernt, sich nicht unterkriegen
zu lassen. Das bekommt der junge Heimleiter zu spüren, der nur noch tatenlos zuschauen kann, wie der Knecht handelt. Dass die Leute im Heim – und zwar sowohl Bewohnerinnen und Bewohner wie Angestellte – zufriedener sind, kann auch er nicht leugnen. André David Winter zeichnet in seinem Roman das Porträt eines Knechtes, wie es sie heute kaum mehr gibt, und erweist sich einmal mehr als einfühlsamer Beobachter. Immer heim stellt die Frage, ob Heimweh zu Alters- und Pflegeheimen gehören muss oder ob diese auch anders funktionieren könnten, wenn versucht würde, die Sprache der alten Menschen, auch der dementen, besser zu verstehen.

 

 

 

/ ib

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