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Die East- and Westsidegallery der ZHB - ganz grosse Gestaltung

  • 05.06.2018 18:30 Uhr

Unter der Leitung des versierten Streetart-Duos Queenkong entstand am Bauzaun der ZHB im Vögeligärtli die erste Openair-Galerie Luzerns. Mit von der künstlerischen Partie waren: Lotte Greber, Rodja Galli, Philipp Stehli, Linus von Moos und Amadeus Waltenspühl. Mit der Einweihung am 5.6.2018, ab 18:30, feiern wir den Abschluss eines spontanen Projekts.

 

Queenkong

Queenkong, Vero & Marco Schmid

Amadeus Waltenspühl

Queenkong

Amadeus Waltenspühl

Lotte Greber

Vom Baustellenzaun zum Wandbild
Als im vergangenen Dezember das mehrfach verschobene Bauprojekt der Zentral- und Hochschulbibliothek starten konnte, war die Freude gross. Seither umgibt das Gebäude ein Zaun, hinter dem die Sanierung und der «innere Umbau» der 1951 eröffneten Bibliothek in grossen Schritten vorwärtsgeht. Während aber der Bauzaun für die Baustelle einen sachlich notwendigen Zweck erfüllt, fühlte sich das auf gigantische Wandbilder spezialisierte Künstlerduo Queenkong, Vero und Marco Schmid, durch die grossen weissen Flächen sogleich inspiriert. Die Idee einer Openair-Galerie traf bei der ZHB, die während der Bauzeit auf ihre üblichen Ausstellungsräume verzichten muss, sogleich auf ein begeistertes Echo und die Bereitschaft, das Projekt tatkräftig zu begleiten. Als schliesslich auch der Kanton als Bauherrin mitzog, darüber hinaus noch Sponsoren gefunden waren, konnte das Projekt Ende Mai 2018 im Eiltempo starten. In lediglich zwei Wochen verwandelten die beteiligten Künstlerinnen und Künstler einem simplen Bauzaun in ca. 100 Meter Kunst.

Gestaltungskonzept und freie Phantasie
Dabei sind die Bildmotive keineswegs zufällig. Im Gegenteil. Das Thema Buch & Lektüre – die Künstlerinnen wählten einen konkreten Buchtitel – verbindet die grossflächigen Bilder inhaltlich und stellt zudem die Referenz zur Bibliothek her. In Fragen der Ausführung und Gestaltung waren die Künstlerinnen und Künstler frei. «Wir wollten als erstes ein tolles Konzept, das den Künstler so viel Freiraum wie möglich lässt und trotzdem auf die ZHB eingeht», sagt die Künstlerin Vero Schmid. «Ein Buch zu lesen, öffnet einem alle Knöpfe der Phantasie und Eigenvorstellung. Das haben wir aufgenommen und die Künstler nach einem Buch befragt …»

In der ZHB verfolgte man den Prozess mit grosser Spannung und Vorfreude und damit waren die Auftraggeber nicht allein. Auch aus dem in den letzten Jahren durch diverse Bauprozesse sehr belasteten Quartier kamen begeisterte Reaktionen zu dem buchstäblich grossen Geschenk, das die Umgebung bis zum Sommer 2019 visuell bereichern wird.

Sind Sie neugierig auf den inhaltlichen Bezug, auf die Gestaltung und die Hintergründen dieses ungewöhnlichen Projekts? Führungen im Rahmen der Einweihung vermitteln Details. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und einen gemeinsamen Apéro. Einladung

Für die grosszügige Unterstützung bedanken wir uns beim Freundeskreis der ZHB, bei Estermann AG, Geuensee, Frey + Cie Elektro, Royal Talens AG und beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt.

 

Medienorientierung 28.05.2018

Medienorientierung 04.06.2018
 

Die Strassen sprechen … Interview mit Vero Schmid (Queenkong) 

I.B. In Amerika gab es die Initialzündung für die ZUSAMMEN-Arbeit von Queenkong. Wie ging es dann hier weiter? 

Vero Schmid. Wir reisten zwei Jahre mit einem Auto gefüllt mit Sprühdosen bis nach Bolivien. Auf dem Weg hinterließen wir über 50 Wandbilder. Nach unserer Rückkehr übten wir unsere gelernten Jobs aus (Produktmanagerin und Grafik-Designer), und vier Jahre später haben wir uns in diesem Bereich und in der Malerei selbstständig gemacht.

I.B. Lebt ihr inzwischen hauptberuflich von Streetart? Und wie sieht die Auftragslage aus?

Vero Schmid. Seit vier Jahren sind wir nun selbstständig. Wir sind in der glücklichen Lage, unsere Kreativität auf verschiedene Wege auszuleben. Gerne nennen wir unsere Kunstform nicht Streetart, sondern wagen uns an den Begriff Kunst. Zumal wir auch Leinwände bemalen und Skulpturen gestalten. Als weitere Einnahmequelle haben wir eine Designagentur. In dieser leben wir unsere gelernten Berufsfelder aus und heben mit viel Leidenschaft die Attribute der Produkte und Marken unserer Kunden visuell hervor.

I.B. Im Bereich der Kunst im öffentlich Raum hat sich viel verändert. Was gestern noch als illegale Nacht-und-Nebel-Aktion galt, ist heute eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum, die – wie auch das Beispiel des ZHB-Bauzauns zeigt – ganz erheblich zur visuellen Bereicherung einer Umgebung beiträgt. Wie erklärt ihr euch diesen Wandel?

Vero Schmid. Es ist in unseren Augen eine Interpretationsfrage. So wäre es eine Anregung unsererseits, wenn man das Wort Streetart oder Graffiti mit Höhlenmalerei und Fresken austauscht. Wird diese Form der Kunst nicht schon ewig verwendet? Vielleicht hat sich ja einfach die Art und Weise derjenigen oder deren Bezeichnung, aber vor allem der Zugang dazu geändert. Wir sehen es als eine Ausdrucksform in der Öffentlichkeit. Die Strassen sprechen. Zeige mir Deine Wände, und ich sage Dir, wer Du bist. Wir haben schon sehr viele Orte auf dieser Welt besucht und die Begutachtung von den Strassen und deren Wände gehört bei uns immer mit zum Sightseeing.

I.B. Was hat euch am ZHB-Bauzaun-Projekt gereizt?

Vero Schmid. Eine ellenlange, weisse, flache Wand:) Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Projekt zusammen mit sehr guten Freunden und Künstlerkollegen umsetzen konnten.

I.B. Wie hat sich die Umsetzung gestaltet?

Vero Schmid. Wir wollten als erstes ein tolles Konzept, das den Künstler so viel Freiraum wie möglich lässt und trotzdem auf die ZHB eingeht. Ein Buch zu lesen öffnet einem alle Knöpfe der Phantasie und Eigenvorstellung. Das haben wir aufgenommen und die Künstler nach einem Buch befragt, welches ihnen viel Eindruck hinterlassen hat. Wir freuen uns sehr über das Ergebnis!

I.B. Wie geht ihr vor beim Gestalten solch grosser Flächen?

Vero Schmid. Es ist uns wichtig, auf die Umgebung einzugehen. Im Bezug auf dieses Projekt wollten wir die Farben und die Streifen der ZHB mit als verbindendes Grundelement einfliessen lassen. Bei der Umsetzung an sich arbeiten wir gerne Schritt für Schritt an der Wand und viel entsteht auch erst während des Prozesses. Es gibt aber meistens eine Skizze auf A4, welche dann auf eine grosse (egal was für eine) Wand gemalt wird, ohne dabei Hilfsmittel wie Beamer oder Raster zu verwenden.

I.B. Und jetzt? Hoffentlich bald ein bisschen zurücklehnen und entspannen. Das wünsche ich euch nach diesem anstrengenden und absolut sportiv ausgeführten Projekt jedenfalls.

Vero Schmid. Wir sind relativ hyperaktiv. Es geht ziemlich rasant weiter und es stehen aktuell zwei Grossprojekte an. Eines davon ist dann auch das erste, welches für die Ewigkeit gedacht ist und nicht danach abgerissen wird. Es handelt sich um ein Wandbild in Stansstad, wo wir mit einer sehr speziellen Technik und dem Sujet bestimmt viele überraschen werden. Die Umsetzung findet im Juli statt. Mal gucken, wie ich dann noch mitwirken kann.

Das Gespräch führte Ina Brueckel von der ZHB.

 

 

 

 

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