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Die Welt ein bisschen gerechter machen

Sie war und ist beileibe nicht die einzige, die sich diesem grossen Ziel verschrieb, aber eine der grossen Vergessenen in einem Land, das erfolgreich Techniken entwickelte, seine missliebigen historischen Figuren wegzusperren. Will heißen: Sie willentlich zu vergessen.*

Das Land ist die Schweiz, die unermüdliche Kämpferin Mentona Moser, deren Leben Eveline Hasler in ihrem Buch "Tochter des Geldes" nachzeichnet.
In einem *ZEIT-Artikel vom März 2019 schildert sie, wie sie 1986 bei einem Besuch in der DDR auf diese "Schweizer Heldin" angesprochen wurde, von der sie noch nie etwas gehört hatte. Diese "Schweizer Heldin", aufgewachsen in einem Schloss am Zürichsee und einer der reichsten Revolutionärinnen Eurpas, initiierte neben vielen anderen sozialen Projekten "Frauenfürsorgekurse, aus denen sich später die Schule für Soziale Arbeit Zürich entwickelte. Sie verstand sich in dieser Zeit als Sozialistin und pflegte Kontakte zum linken Flügel der Sozialdemokratie. Nach der Oktoberrevolution sympathisierte sie mit dem Kommunismus und war 1921 Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei der Schweiz. In den frühen 1920er Jahren arbeitete sie für die Pro Juventute. Sie leitete die Mutter- und Säuglingspflege und gründete eine Beratungsstelle für Schwangerschaftsverhütung in Zürich. Zudem setzte sie sich verstärkt für die Einführung des Frauenstimmrechts ein. Ihre politischen Überzeugungen führten sie seit Mitte der 1920er Jahre zunehmend in andere Länder. Sie hielt sich verschiedentlich in der Sowjetunion auf, wo sie einen Teil ihrer Erbschaft investierte, um 1929 in der Nähe Moskaus ein internationales Kinderheim für Waisenkinder zu eröffnen. Anfang 1930er-Jahre hielt sie sich auch länger in Berlin auf, verstrickt in die militanten Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. 1934 floh sie aus Berlin in die Schweiz, wo sie während des Zweiten Weltkriegs lebte. Nach dem Krieg führten sie ihre kommunistischen Kontakte in die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Auf Einladung Wilhelm Piecks, des ersten Staatspräsidenten, übersiedelte sie 1950 in die DDR, nach Ostberlin, wo sie bis zu ihrem Tod 1971 lebte." (Geschichte der Sozialen Sicherheit in der Schweiz, 12/2014) 

Im Bestand der ZHB:
Eveline Hasler, Tochter des Geldes, Mentona Moser - die reichste Revolutionärin Europas. Roman eines Lebens, Nagel & Kimche 2019, GN 9999 HaEv-02 2019
Mentona Moser, Unter den Dächern von Morcote. Meine Lebensgeschichte,
Berlin 1987, G.x 825
Mentona Moser, Ich habe gelebt, Zürich 1986, F.a 9129

 

/ si

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