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«… etwas ganz Wunderliches zu entdecken.»

1887 wird in Luzern jene Schriftstellerin geboren, nach der mehr als hundert Jahre später eine Strasse im neu geschaffenen Stadtteil Tribschen-City benannt wird. Die Rede ist von Cécile Lauber, deren Nachlass in der ZHB Luzern aufbewahrt wird.

1965

Nala. Zürich, 1942

1936

Etliche Jahre verbringt die gebürtige Luzernerin in Lausanne, wo sie das in Luzern absolvierte Kunststudium (Kunstgewerbeschule) am Konservatorium fortsetzt. 1918 kehrt sie mit ihrem Mann, Werner Lauber – Gerichtsschreiber und späterer Bundesrichter – in ihre Heimatstadt zurück, um dort Zeit ihres weiteren Lebens zu schreiben und zu malen. Der Literaturkritiker und Herausgeber Charles Linsmayer umschreibt ihr literarisches Schaffen als «… die Gabe, eine einfache Geschichte unter Zuhilfenahme von Traum und Vision zum Mythos zu verdichten und diesen dann in Bildern von starker Leuchtkraft und in eindringlicher, rhapsodischer Sprache lebendig werden zu lassen, was ihr am beglückendsten im visionären Roman «Stumme Natur» gelang …». Cécle Lauber stirtbt 1981.

Die Veränderungen ihrer Zeit hat die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Malerin sehr genau wahrgenommen und literarisch reflektiert. O-Ton Cécile Lauber, srf

Die Werke von Cécile Lauber sind in der ZHB ausleihbar. Darüber hinaus bewahrt die Sondersammlung der ZHB einen umfangreichen Nachlass mit dem Briefwechsel mit ihrem Mann, mit Manuskripten, Erstausgaben, Fotografien.


Auszeichnungen, Preise, Ausstellungen (Auswahl):

1955 Kunstpreis der Stadt Luzern / 1964 Jugendbuchpreis / 1969 Preis der Innerschweiz / 1974 Ausstellung ihrer Aquarelle im Kunstmuseum Luzern

Textauszug: Das Spielzeug der Riesenkinder
«In grauer Vorzeit, als die Welt noch nicht zur Ruhe gekommen war und die Völker ihre Heimstätten noch nicht gefunden hatten, kam ein Trupp von Riesen von Norden her gegen unser Land gewandert. Und obwohl sie Siebenmeilenstiefel an den Füssen trugen und mit jedem Schritt ein ganzes Land hinter sich brachten, war es doch ein fauler und bequemer Schlag. Als sie nun hier eintrafen und unserer Berge gewahr wurden, in denen noch keine Menschen hausten, sagten sie zueinander: ‹Was wollen wir noch lange Häuser bauen? Hier haben wir ja alles, was wir brauchen, schon fix und fertig vor uns.› Und die Frauen der Riesen, indem sie auf den See und das flache Land deuteten, riefen vergnügt: ‹Und da steht auch schon die Badewanne für unsere Kinder, und der Platz, auf dem sie springen können!›

So richteten sich denn die Riesen ein und machten es sich gemütlich. Als sie aber am andern Morgen aufwachten und die verschlafenen Augen ausrieben, glaubten sie etwas ganz Wunderliches zu entdecken. Auf dem Land unter ihren Felsenfenstern kribbelte und krabbelte es. Da standen winzige Häuschen aus Schindeln und aus Balken. Zierliche Persönchen eilten hin und her, und noch viel vergnüglichere Tierchen bewegten sich zwischen ihnen. Denn das jetzige Land Appenzell wurde zu jener Zeit von einem fleissigen und harmlosen Volk von Zwergen bewohnt, das viel älter war als das der Riesen, und diese hatten es nur am Abend vorher nicht bemerkt. Denn die Augen der Riesen sind etwas blöde, besonders in der Dämmerung. Sie sehen besser in die Ferne als in die Nähe.»

Erstpublikation: Cécile Lauber: Land deiner Mutter. Bd. 2. Zürich: Atlantis Verlag, 1950. S. 29 ff.

Das vierbändige Werk Land deiner Mutter entsteht zwischen 1946 und 1957 im Zeichen der sogenannten «geistigen Landesverteidigung» und stellt eine gelungene Verbindung von Jugend-, Heimat- u. Abenteuerbuch dar. Es wurde auch als schweizerischer «Nils Holgersson» bezeichnet.

 

 

/ ib/ks

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